Idee Nr. 5: Die richtige Musik-Bar
Saturday, 05.12.2009, 09:28
Das Angebot für Musikliebhaber in Zürich ist anständig. Trotzdem ist es gerade für unbekannte Bands schwierig, einen Ort für einen Auftritt zu finden. In den bekannten Läden bekommt man eine Absage, und in den richtig üblen Schuppen spielt man für die eigene Entourage und drei verdutzte Alkis.
Was es darum braucht: Eine richtige Musik-Bar, die auf den Nachwuchs ausgerichtet ist. Und zwar so:
- Jeden Donnerstag spielen in der Bar fünf Bands. Genug Bands zu finden, sollte kein Problem sein; in der Schweiz gibt es pro Kopf ca. zwei Bands. Bands schicken keine Demo-CDs ein, sondern bewerben sich online, mit Verweis auf ihre Tracks z.B. auf mx3.ch oder MySpace.
- Jede Band hat eine halbe Stunde. Gerade Nachwuchsbands haben selten genug gutes Material, um länger interessant zu bleiben.
- Danach ist eine halbe Stunde Pause. Wenn man um 8 startet, ist man also um halb eins fertig. Wer nur eine bestimmte Band sehen will, weiss dank Internet, wann die spielt. Wer mit Freunden reden will, kann das in der Pause tun. Wer zu spät kommt, spielt nicht.
- Musik-Stile sind frei, sollten aber innerhalb eines Abends einigermassen Sinn machen. Etwas Gespür und gute Programmierung ist nötig. Für das Publikum soll der Eindruck einer Wundertüte entstehen, aber nicht abschrecken.
- Damit der Aufwand für alle Beteiligten vertretbar ist: Schlagzeug, Amps, PA und etwas Elektronik sind vor Ort fix installiert. Die Bar stellt einen Sound-Engineer. Bands müssen also nur ihre Instrumente mitbringen, evtl. etwas Effektgeräte; der Umbau geht schnell, der erfahrene Mischer erledigt den Soundcheck im ersten Song.
- Die Bar ist akustisch bearbeitet und klingt schön. Die Lautstärke ist dem Musikstil angepasst.
- Eintritt 5.-, evtl. Bier etwas teurer. Damit finanziert die Bar die Website, den Mischer und die Investitionen ins Equipment. Die Bands spielen gratis, Getränke gehen aufs Haus. Weil sie kaum Aufwand haben (keine Autos mieten für Schlagzeug z.B.), sind sie dazu bereit.
- Wenn Bands schon CDs oder Merchandising haben, dürfen sie das selbstverständlich verkaufen, dafür ist ein Tisch in einer Ecke reserviert.
- Ab und zu treten auch bekanntere Leute auf, die dann evtl. Gage erhalten. Damit holt die Bar auch Publikum ab, das nicht so experimentierfreudig ist. Für die bekannten Acts gilt aber ebenso die halbe Stunde.
- Idealerweise ergeben sich Kontakte zwischen Bands und daraus Zusammenarbeit oder spannende Experimente.
- Die Bar bewirbt die Konzerte über soziale Netzwerke wie Facebook. Bands erhalten darüber Feedback zu ihrem Auftritt, z.B. per Abstimmung.
Fürs Publikum ist eine solche Bar toll, weil man gefahrlos neue Musik entdecken kann. Gefahrlos, weil man weiss, dass die Technik sauber ist; und weil eine schlimme Band nach einer halben Stunde aufhören muss.
Für die Bands ist die Bar toll, weil sie ohne Aufwand ihr Material an einem Publikum ausprobieren können, das sie nicht schon vorher kannte. Weil der Schlagzeuger keinen Grund mehr zum Jammern hat. Und weil die Bar so viele Bands spielen lässt, dass sie zu mehr Auftritten kommen und so ihre Live-Kompetenz verbessern können.
Und für die Musikszene ist die Bar toll, weil das Publikum mehr neue Musik hört und weil die Musiker untereinander in Kontakt kommen. Weil eh jeder mal zum Zug kommt, würde man damit auch etwas gegen das ausgeprägte Konkurrenzdenken heimischer Musiker tun und stattdessen mehr zusammenarbeiten.
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